50 Jahre Stadtteil Cochem Brauheck

 

Wer kannte ihn nicht, den letzten ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt Cochem, Ferdinand Hillebrand. Er war dafür bekannt, dass er bei der Eröffnung des Cochemer Wein- und Heimatfestes den großen Weinpokal in einem Zug ausleerte. Am 31. Juli 1957 räumte der damals 67-Jährige für immer den Chefsessel im Rathaus.

 

Da Cochem damals am „Deutschen Wirtschaftswunder“ teilnahm und dabei einen enormen Aufschwung erlebte, war die Leitung der Stadt nicht weiter von einem ehrenamtlichen Bürgermeister zu bewältigen.  Der Stadtrat entschloss sich daher, die vakante Stelle des Stadtbürgermeisters mit einer hauptamtlichen Kraft zu besetzen. Unter 91 Bewerbern war auch der Bundestagsabgeordnete Willi Massoth. Ihn wählte der Stadtrat im Juli 1957 zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Cochem. Willi Massoth hatte als Mitglied des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag hervorragende Verbindungen zur Bundesregierung. Da das Bundesverteidigungs- ministerium damals auf der Suche nach einem Standort für eine Fliegerkaserne für die Soldaten des Fliegerhorstes Büchel war, bot Massoth diesem das Gelände im Distrikt Praheck  an der Gemarkungs- grenze zum Ort Dohr an.

 

 

Am 23. Juni 1961  wurden die Kaserne und die Wohnsiedlung erstmals bezogen. Cochem erlebte an diesem Tag mit dem Aufmarsch der Soldaten des Fliegerhorstes Büchel auf dem Endertplatz die Geburtsstunde der Stadt Cochem als Garnisonsstadt.

Am 28. September 1965 wurde die katholische Kirche Sankt Klaus von Flüe neben der Hauptwache der Fliegerkaserne eingeweiht.

 

Im November 1965 beschloss der Stadtrat, östlich vom Kasernengelände im Distrikt „am weißen Wakel“, ein Industriegebiet zu errichten. Dort erfolgten im Laufe der Zeit zahlreiche Neuansiedlungen. Aber auch viele Betriebe siedelten aus der engen Moseltallage ins Gewerbegebiet um.

Im Jahr 1970 wurde in Brauheck das erste Bebauungsgebiet für zivile Wohnungen bereitgestellt. Es erfuhr im Jahr 1980 eine erhebliche Erweiterung.

 

Nachdem die Bundeswehrsiedlung für die Soldatenfamilien nicht mehr benötigt wurde, zogen nunmehr auch zivile Mieter in die Wohnungen ein. Letztlich wurden Teile der Siedlung auch als Aussiedlerheim genutzt. Viele der Neubürger sind inzwischen im Stadtteil Brauheck sesshaft geworden.

 

Doch die Betreiber der Siedlung erkannten, dass eine Vermietung auf längere Dauer nur erreicht werden konnte, wenn die Infrastruktur im Stadtteil Brauheck verbessert werden konnte. So entstand im Jahr 1990 im Distrikt Eichenhain ein Einkaufs- und Dienstleistungscenter, welches die Bedürfnisse des täglichen Lebens im Wesentlichen abdeckt. Da weitere Anfragen zur Ansiedlung bei der Stadt vorliegen, ist eine Erweiterung in die Wege geleitet.

 

Inzwischen sind Teile der alten Bundeswehrsiedlung in privates Wohnungseigentum übergegangen. Zurzeit werden die Siedlungshäuser Zug um Zug renoviert. Durch zusätzliche Wärmedämmungen wird der Wohnwert erheblich gesteigert.

Der noch relativ junge Stadtteil Brauheck hat in den 50 Jahren seines Bestehens einen erheblichen Wandel erfahren. Eine im Bürgerverein Brauheck zusammengeschlossene Bürgerinitiative sorgt durch seinen uneigennützigen Einsatz dafür, dass der Wohn- und Freizeitwert verbessert wird. Der Löschzug Brauheck der Freiwilligen Feuerwehr Cochem, der im kommenden Jahr sein 30-Jähriges Bestehen feiern wird, hat wesentlich zur Sicherheit im Stadtteil Brauheck beigetragen. Der Stadtteil Brauheck kann aber auch als Ruheoase der Stadt Cochem bezeichnet werden, denn er blieb von dem Fremdenverkehrsrummel, der in der Tallage zeitweise herrscht, bislang verschont. Und das ist gut so und soll es auch bleiben.

 

Günther Bretz